BuVNK · EmpCo · Kennzeichnung & Siegel · Stand 14. Oktober 2026

Nachhaltigkeitssiegel und Zertifikate: EmpCo 2026

Welche Umwelt- und Nachhaltigkeitssiegel sind weiterhin zulässig? Ein Leitfaden für Marketing, Produktmanagement und Compliance mit Prüfablauf und offiziellen Quellen.

Seit 27.09.2026B2C-NachhaltigkeitssiegelPrüfung der Siegelgrundlage
Wichtig: Seit dem 27. September 2026 gelten die EmpCo-Regeln zur Verwendung von Nachhaltigkeitssiegeln in der Verbraucherwerbung. Verboten ist die Darstellung eines Nachhaltigkeitssiegels, das weder auf einem Zertifizierungssystem beruht noch von einer öffentlichen Stelle eingeführt wurde (Nr. 2a des Anhangs zur Richtlinie 2005/29/EG in der geänderten Fassung). Auch zulässige Siegel dürfen nicht irreführend verwendet werden. Diese Seite ist allgemeine Information und keine Rechtsberatung.
01 / Rechtlicher Rahmen

Was zählt als Nachhaltigkeitssiegel?

Die EmpCo-Richtlinie betrachtet freiwillige Vertrauens-, Güte- oder vergleichbare Zeichen, mit denen ein Produkt, ein Prozess oder ein Unternehmen wegen ökologischer oder sozialer Eigenschaften hervorgehoben wird. Gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichen sind nicht schon deshalb ein solches freiwilliges Nachhaltigkeitssiegel.

Privates Nachhaltigkeitssiegel

Kann zulässig sein, wenn es auf einem Zertifizierungssystem mit den vorgeschriebenen Transparenz-, Unabhängigkeits- und Kontrollanforderungen beruht.

Öffentlich eingeführtes Zeichen

Ein von einer öffentlichen Stelle eingeführtes Nachhaltigkeitssiegel kann unter die gesetzliche Alternative zum Zertifizierungssystem fallen. Maßgeblich sind Herkunft und Nutzungsbedingungen.

Eigene Fantasie- oder Marketingmarke

Ein selbst entworfenes grünes Blatt, das Verbraucher als unabhängiges Gütesiegel verstehen könnten, ist besonders kritisch, wenn kein geeignetes System oder kein öffentlich eingeführtes Zeichen dahintersteht.

02 / Zertifizierungssystem

Was muss ein Zertifizierungssystem leisten?

Die Richtlinie legt Mindestanforderungen fest. Unternehmen sollten beim Siegelanbieter insbesondere diese Punkte dokumentiert anfordern:

Transparente Regeln

Anforderungen und Bedingungen für die Nutzung sind öffentlich zugänglich und nachvollziehbar.

Fairer Zugang

Die Teilnahme steht geeigneten Unternehmen unter transparenten, fairen und nicht diskriminierenden Bedingungen offen.

Fachliche Beteiligung

Die Kriterien werden vom Systemträger unter Einbeziehung einschlägiger Experten und Interessenträger entwickelt.

Unabhängige Kontrolle

Eine vom Systemträger und vom zertifizierten Unternehmen unabhängige dritte Stelle überwacht die Einhaltung; Kompetenz und Unabhängigkeit müssen gesichert sein.

Konsequenzen bei Verstößen

Es bestehen Verfahren bei Nichteinhaltung, einschließlich Aussetzung oder Entzug der Zeichennutzung.

Nachweise und Aktualisierung

Gültige Zertifikate, Prüfberichte, Geltungsbereich, Ablaufdatum und Veränderungen sind vor jeder Kommunikation zu kontrollieren.

03 / Siegelbeispiele

Beispiele richtig einordnen

Die folgenden Fälle dienen der Orientierung. Ob eine konkrete Verwendung zulässig ist, hängt auch von der sachlichen Aussage, dem Nutzungsrecht und dem Gesamtbild der Werbung ab.

EU Ecolabel

Öffentliches EU-Umweltzeichen, das auf einem unionsrechtlich geregelten Vergabesystem beruht. Die Nutzung setzt die Einhaltung der konkreten Produktkriterien und der Zeichenbedingungen voraus.

Blauer Engel

Staatlich getragenes deutsches Umweltzeichen mit festgelegten Vergabekriterien. Auch hier müssen Produktbezug, Zeichennutzung und aktuelle Anforderungen stimmen.

ISO 14001 / ISO 50001

Zertifizierungen von Managementsystemen können relevante Nachweise sein. Sie sind aber nicht automatisch eine Freigabe für ein eigenes produktbezogenes Nachhaltigkeitssiegel oder umfassende Umweltversprechen.

Eigenes „Eco“-Logo

Wenn es als freiwilliges Nachhaltigkeitsgütesiegel erscheint, reicht bloße Selbsterklärung nicht. Es muss auf eine gesetzlich geeignete Grundlage gestützt werden.

04 / Geltungsbereich

Zertifizierung ist nicht gleich Werbeaussage

Die Prüfung eines Managementsystems, die Zertifizierung eines konkreten Produkts und ein grünes Logo auf der Verpackung haben unterschiedliche Aussagegehalte.

NachweisobjektWas wurde geprüft? Ein Produkt, Prozess, Unternehmensmanagement oder nur einzelne Daten?
ZeichennutzungIst die Nutzung des konkreten Zeichens für dieses Produkt und diesen Markt tatsächlich erlaubt?
GeltungsbereichWelche Standorte, Produkte, Kriterien und Zeiträume decken Zertifikat und Prüfbericht ab?
WerbeaussageWird nur der geprüfte Sachverhalt behauptet – oder ein weitergehender Vorteil suggeriert?
NutzerperspektiveErweckt die Gestaltung den Eindruck einer unabhängigen Gesamtbewertung, die tatsächlich nicht besteht?
05 / Siegel-Checkliste

Sieben Schritte zum Siegel-Check

Prüfe jedes Zeichen, das in Online-Shop, Verpackung, Flyer oder Produktwerbung verwendet wird – auch bereits bestehende Materialien.

01
Siegelinventar erstellen

Alle Logos, Nachhaltigkeits-Badges, Zeichen und ähnlich wirkenden Bildmarken pro Produkt und Medium erfassen.

02
Typ und Aussage bestimmen

Ist es ein freiwilliges Nachhaltigkeitssiegel? Welche ökologische oder soziale Eigenschaft wird suggeriert?

03
Rechtsgrundlage ermitteln

Ist das Zeichen von einer öffentlichen Stelle eingeführt oder beruht es nachweislich auf einem geeigneten Zertifizierungssystem?

04
Systemregeln und Prüfer kontrollieren

Öffentliche Kriterien, unabhängige Drittprüfung, Zulassungsvoraussetzungen und Sanktionsmechanismus dokumentieren.

05
Gültigkeit und Scope prüfen

Lizenz, Nutzungsbedingungen, Produkt-/Standortbezug, Prüfdatum und Laufzeit kontrollieren.

06
Gesamtwerbung prüfen

Könnten Logo, Farben, Claims oder Fußnoten weitergehende Umweltvorteile suggerieren, als die Prüfung belegt?

07
Freigabe protokollieren

Verantwortliche, Belege, Entscheidung, mögliche Korrektur und Termin für eine erneute Prüfung festhalten.

06 / FAQ

Häufige Fragen zu Nachhaltigkeitssiegeln

Sind private Nachhaltigkeitssiegel ab 2026 generell verboten?

Nein. Ein privates Siegel kann zulässig sein, wenn es auf einem Zertifizierungssystem beruht, das die gesetzlichen Anforderungen erfüllt. Außerdem bleibt die konkrete Werbung auf mögliche Irreführung zu prüfen.

Reicht eine Selbsterklärung des Unternehmens?

Für ein freiwilliges Nachhaltigkeitssiegel in der B2C-Werbung ist eine bloße Selbsterklärung kein Ersatz für das gesetzlich geforderte Zertifizierungssystem oder ein öffentlich eingeführtes Zeichen.

Darf ein ISO-14001-Zertifikat im Marketing erwähnt werden?

Eine sachlich richtige Angabe über eine tatsächlich bestehende, gültige Managementsystem-Zertifizierung ist getrennt von einem Umweltgütesiegel für ein Produkt zu beurteilen. Umfang, Prüfgegenstand und Darstellungsform dürfen nicht irreführen.

Braucht jedes nachhaltige Produkt das EU Ecolabel?

Nein. Die Richtlinie schreibt nicht vor, dass alle Produkte das EU Ecolabel tragen müssen. Für freiwillige Nachhaltigkeitssiegel bestehen aber konkrete Anforderungen.

Gelten die Regeln auch für soziale Siegel?

Ja. Die EmpCo-Definition erfasst freiwillige Nachhaltigkeitssiegel mit Bezug auf ökologische oder soziale Eigenschaften oder beide Bereiche.

Sind gesetzlich vorgeschriebene Produktkennzeichen erfasst?

Die Definition des freiwilligen Nachhaltigkeitssiegels nimmt Kennzeichen aus, die nach EU- oder nationalem Recht vorgeschrieben sind. Diese können eigenen Kennzeichnungsvorschriften unterliegen.

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